Aikido


* Ki-no-Nagare Aikido Dojo Bern



Was ist Aikido?

Aikido wurde vom japanischen Meister Ueshiba Morihei, O-Sensei (1881 – 1969) geschaffen. Es hat seine Wurzeln in den japanischen Kampfkünsten.

Aikido ist aber auch dem Yoga sehr ähnlich: Gemäss O-Sensei ist Aikido dafür bestimmt, unser eigenes Zentrum mit dem Zentrum des Divinen, unser Herz mit der göttlichen Energie zu verbinden und einen Geist zu entwickeln, der „alles liebend beschützt“ (Ban-Yu-Ai-Go). Aikido hat das Ziel sich zu verbinden, und nicht über jemanden zu gewinnen. Aikido ist ein Budo der Einheit.

Aikido entstand im Kontext der japanischen Kampfkünste. Betrachtet man es von aussen, ähneln sowohl die äusseren Formen wie auch die Art des Übens denen älterer japanischer Budo- und Bujutsu-Künste, darunter Daito-Ryu Aiki Bujutsu, Hozoin Speer und verschiedene Schulen des Schwertführens (Iaijutsu, Iaido).

Aikido ist keine Synthese aus diesen Künsten. Es ist etwas Lebendiges und Neues, dass aus O-Senseis satori, seiner Erleuchtungserfahrung, entstand.


Die Bedeutung des Wortes Aikido und seine Übersetzung

Ai – Einheit mit / Verbindung mit / Liebe

Ki – Die ursprüngliche ungeborene-unsterbende Energie, die das gesamte Universum aufrecht erhält

Do – der Weg


Das erste der drei Schriftzeichen (Kanji), die das Wort Aikido bilden, Ai, kann neben dem japanischen, auch mit einem chinesischen Schriftzeichen geschrieben werden – es bekommt dann die Bedeutung Liebe. O-Sensei betonte stets, dass Ai in Aikido beide Bedeutungen in sich trägt: Einheit mit / Verbindung mit und Liebe – göttliche Liebe.

Hikitsuchi-Sensei benutzte ein einfaches japanisches Wort, wenn er die Bedeutung von Liebe in Aikido erklärte: Dai (gross); Dai-Ai (grosse Liebe).

Das Wort Ai in Aikido bezeichnet nicht Harmonie. Es bedeutet Verbindung mit / Einheit mit und Liebe.

Ai in Aikido hat nichts zu tun mit der Vorstellung des Gewinnens über einen Anderen. Auch geht es nicht um den Erfolg beim Verteidigen gegen einen Angriff und auch nicht darum, sich mit dem Ki des Angreifers zu harmonisieren um ihn zu kontrollieren.

Im Aikido existiert kein Gewinnen und es gibt auch keinen Anderen. Um es zu wiederholen: Aikido ist ein Budo der Einheit.


„Wenn du an Gewinnen denkst, wirst du alles verlieren. Wisse, dass beide, du und dein Gegenüber auf demselben Pfad wandeln. Hülle Widersacher mit Liebe ein, vertraue dich selbst dem natürlichen Fluss der Dinge an, vereine Ki, Körper und Geist und wische die Begrenzungen zwischen dir selbst und dem Anderen hinfort. Das ist Sieg im Aikido – Masakatsu [der Wahre Sieg]-Agatsu [der Sieg über sich selbst]-Katsu-Hayai-Bi [der Zustand, wo es weder Zeit noch Raum gibt].”

O-Sensei


O-Sensei machte es deutlich: Durch das Praktizieren von Aikido und durch das Erfahren des Wahren Sieges [Masa-katsu] – der Sieg über uns selbst, [A-gatsu] – erreichen wir den Zustand, in dem es weder Zeit noch Raum gibt [Katsu-Hayai-Bi].

Ohne Zeit und Raum kann es keinen Gegner geben, keinen Anderen.

Das Üben von Aikido befähigt uns, unser wahres Ich zu finden und den wahren Grund unserer Geburt zu erfahren (Ten-Mei).

Durch das Üben von Aikido bleibt unser gespaltenes Ich zusammen mit seinen Strategien und Plänen hinter dem grossen Plan des Universum, der sich durch uns manifestiert, zurück.

Demzufolge ist eine korrekte Übersetzung des Wortes Aikido: Der Weg der Einheit mit der Liebe und der Energie, die das gesamte Universum erhalten.


Aikido als Shin-no-Budo (Wahres Budo)

Aikido wird normalerweise den Kampfkünsten zugeschrieben. Das ist zwar nicht völlig falsch, jedoch beschrieb O-Sensei Aikido mit den Worten Shin-no-Budo – Wahres Budo. Der Wahre Weg des Bu.

Das Wort Bu wird üblicherweise mit „martial“ ins Englische und Französische und mit „Kampf“ oder „Krieg“ ins Deutsche übersetzt. Eigentlich zeigt das chinesische Schriftzeigen für Bu aber eine Waffe, die gehalten wird (eine Art Hellebarde), zusammen mit dem Zeichen für Stopp.

O-Sensei und Hikitsuchi-Sensei betonten beide ausdrücklich, dass die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Bu „den Angriff stoppen“ lautet. Ferner bedeutet es O-Sensei zufolge auch die bewegend-schöpferische Aktivität des Universums.

Das Wort Bujutsu ist banaler und näher an den Wörtern „martial art“ oder „Kampfkunst“. Dies, weil es in seiner Übersetzung „Techniken des Bu“ bedeutet. Es beschreibt eine Handlung, mit dem Ziel um ein bestimmtes Resultat zu erreichen. Techniken, die den Angriff stoppen oder kontern – das sind Techniken oder die Kunst der Selbstverteidigung wie auch des Kampfes.

Budo – der Weg des Bu – meint etwas, das weit über dem unmittelbaren Nutzen einer Technik liegt. Es beschreibt vielmehr eine spirituelle, psychologische Entwicklung und ein Wachsen. Hikitsuchi-Sensei, der O-Sensei zitierte, betonte: „Budo ist nicht Technik!”

„Wahres Budo ist der liebende Schutz von Allem durch den Geist der Versöhnung. Versöhnung bedeutet, die Aufgabe eines jeden vollenden zu lassen.“

O-Sensei


Wenn O-Sensei von Aikido sprach, sprach er oft von Shin-no-Budo – dem Wahrem Budo. Er beschrieb Shin-no-Budo auf verschiedene Arten, normalerweise umschrieb er es mit „Eins-Sein mit dem Göttlichen“, „Eins-Sein mit dem Zentrum des Universums“, „Eins-Sein mit der Göttlichen Liebe“.

Nach seiner Erleuchtungserfahrung (Satori), in der O-Sensei das erlebte, was er die all-unterstützende, die alles aufrechterhaltende Liebe Gottes oder göttliche Liebe nannte, betonte er, dass der Ausdruck dieser Liebe die wahre Bedeutung von Bu ist – dass Bu Liebe ist.


„Wahres Budo ist die Aktivität der Liebe. Es ist das Lebenspendende für alle Lebewesen und nicht das Töten oder das Miteinander-Kämpfen. Liebe ist die Schutzgottheit für alles. Nichts kann existieren ohne sie. Aikido ist die Manifestation der Liebe.“

O-Sensei


Anders als Karate-Do, Judo, Jujutsu, Formen des Kempo oder anderen Kampfkünsten, lehrt Aikido nicht das Kämpfen oder wie man über jemand anderes gewinnt.


„Im Aikido ist ein Geist des Dienens für den Frieden zum Wohl aller Menschen auf dieser Welt notwendig, und nicht der Geist eines, der wünscht, stärker als andere zu sein oder seinen Widersacher niederzuwerfen.“

O-Sensei


Aikido hat nicht zum Ziel einen Feind mithilfe einer Technik, Schnelligkeit, Kraft oder Strategie zu unterwerfen. Im Aikido sind wir durch die Verbindung zu unserem Partner fähig, unsere inneren und unsere äusseren Selbsts zu schieden, zu polieren und zu reinigen.

Im Aikido gibt es keine Feinde – es gibt nicht einmal einen Partner, der als etwas anderes als manselbst wahrgenommen wird; es gibt keinen anderen.

Dies wird in der Übung durch die Verbindung mit dem Partner ausgedrückt: Noch bevor die Bewegung beginnt, wird der Partner aus der Trennung heraus- und in einen Zustand der Einheit hineingeführt.

Der Sinn des Aikido ist die Überbrückung von Konkurrenz und Dualität. Aikido ist non-dualistisch. In Sanskrit wird ein solcher Zustand advaita genannt. Er dient dazu, einen Geist zu erlangen, den O-Sensei den „Geist des liebendes Schutzes für Alles“ nannte.

„Wir beten ununterbrochen, dass Kämpfe nicht entstehen. Zu diesem Zweck sind Wettkämpfe im Aikido strikte untersagt. Der Geist des Aikido ist der des liebenden Angriffs und der friedvollen Versöhnung. In diesem Ziel verbinden wir uns mit anderen durch die Kraft der Liebe. Durch die Liebe wird es möglich, andere zu reinigen.“

O-Sensei